Die Erektion


Die Erektion Schritt für Schritt

Das Zustandekommen einer Erektion ist ein komplizierter biochemischer Vorgang, an dem Gehirn, Nervenbahnen und Blutgefäße beteiligt sind. Durch sexuelle Reize werden Zentren im Gehirn stimuliert. Sie leiten Nervenimpulse an Zentren im Rückenmark weiter, die wiederum über Nervenbahnen mit den Penisgefäßen verbunden sind. Auf ein Zeichen des Erektionszentrums im Rückenmark hin, werden im Penis Botenstoffe freigesetzt, welche die Blutgefäße weiten. Es kommt zur Erektion. Funktioniert der Vorgang nur an einer Stelle nicht, kann die Erektion beeinträchtigt sein oder sogar ganz ausbleiben. Auf den folgenden Seiten werden die Mechanismen näher erläutert, die bei einer Erektion im Penis ablaufen. Dabei werden zunächst die Vorgänge auf der Ebene der Gefäße gezeigt und dann die biochemischen Prozesse, die diese Veränderungen herbeiführen. Auf jeder Ebene werden auch Ursachen für eine Störung der Erektion behandelt. Sie sind jeweils in Organe hervorgehoben.

Blutgefäße und Schwellkörper


"Wenn sich nichts tut, fehlt`s an Blut"

Während der Erregungsphase strömt vermehrt Blut durch die zuführenden Gefäße (Arterien) in die Schwellkörper des Penis. Dadurch füllen sich die schwammähnlich aufgebauten Hohlräume der Schwellkörper im Blut. Sind die Hohlräume ausreichend prall mit Blut gefüllt, pressen sie die blutabführenden Gefäße (Venen) zusammen, sodass das Blut im Penis gestaut wird. Der Penis wird größer und richtet sich auf. Schäden an den blutzuführenden oder blutabführenden Gefäßen, aber auch an den Schwellkörpern selbst, können zu Erektionsstörungen führen. Voraussetzung für den vermehrten Bluteinstrom in den Penis ist, dass sich die blutzuführenden Gefäße weiten.


 

Muskelzellen und Blutfluß


"Eine Frage der Einstellung"

In den Gefäßwänden der Arterien befinden sich ringförmige Muskeln, die im Ruhezustand angespannt sind. Hierdurch bleiben die Gefäße eng, sodass die Blutversorgung des Penis im Ruhezustand gering ist. Bei sexueller Erregung entspannen sich die Muskelzellen und die Arterien weiten sich. Auf diese Weise strömt bis zu 20-mal mehr Blut in den Penis ein. Gleichzeitig entspannen sich auch die Muskelzellen in den Wänden der Schwellkörper-Hohlräume, sodass das einströmende Blut diese leichter füllen kann.

Ruhezustand: Runde, angespannte Muskelzellen der Gefäßwand


 

Botenstoffe in Aktion


"Das biochemische Orchester der Erektion"

Auf der molekularen Ebene wird die Erektion durch das Zusammenspiel mehrerer Botenstoffe gesteuert. Es sorgt dafür dass sich die Muskelzellen der Arterien und der Schwellkörper-Hohlräume entspannen und so mehr Blut in den Penis einströmen kann. Am Anfang dieses Prozesses steht er Botenstoff NO. NO wird bei sexueller Erregung durch eintreffende Nervenimpulse in den Wänden der Arterien und der Schwellkörper-Hohlräume freigesetzt. Es aktiviert ein Enzym, das den Botenstoff cGMP bildet. Er entspannt die Gefäßmuskelzellen, sodass sich die Blutgefäße weiten.

Solange die sexuelle Erregung währt, wird ständig NO freigesetzt und cGMP gebildet. cGMP wird durch das Enzym PDE-5 abgebaut, sodass während der Erektion ein Gleichgewicht zwischen cGMP Auf- und Abbau herrscht. Mit dem Ende der sexuellen Erregung, endet die Freisetzung von NO. Restliches cGMP wird abgebaut, die Gefäßmuskelzellen spannen sich an und die blutzuführenden Gefäße verengen sich damit wieder. Der Bluteinstrom in den Penis geht zurück und er erschlafft. Ursache für das Auftreten von Erektionsstörungen ist in vielen Fällen, dass aufgrund geschädigter Nerven oder Gefäße nicht genug NO freigesetzt werden kann.


 

Botenstoffe im Ungleichgewicht


"Gestörte Harmonie"

Bei Erektionsstörungen ist häufig die Nervenleitung zu den Penisgefäßen gestört oder diese Gefäße sind selbst geschädigt. Hierdurch wird während der sexuellen Erregung zu wenig NO freigesetzt und das gesamte biochemische Zusammenspiel der Botenstoffe gerät aus dem Gleichgewicht.

Gelangt nur wenig NO in die Gefäßmuskelzellen, wird auch entsprechend weniger cGMP produziert.

Da die Menge an PDE-5 in den Zellen aber immer gleich hoch bleibt, wird das wenige gebildete cGMP sofort wieder durch dieses Enzym abgebaut - das Gleichgewicht von cGMP-Aufbau und -Abbau ist gestört. Die Gefäßmuskelzellen halten die Blutgefäße eng und der Blutstrom in den Penis bleibt unverändert gering. An diesem Ungleichgewicht von cGMP und PDE-5 setzen die modernen medikamentösen Therapien an. Sog. PDE-5-Hemmer sorgen dafür, dass das Zusammenspiel der Botenstoffe wieder in die Balance gerät, sodass eine Erektion möglich wird.


 

Rückbildungsphase


Nach dem Orgasmus kehren die Geschlechtsorgane in ihren vorherigen, nicht erregten Zustand zurück. Es kommt es zur Rückbildung der Erektion mit Abschwellen des Gliedes, Nachlassen der Muskelspannung, Verlangsamung von Atmung und Puls und Rückbildung der Hautrötung (sex-flush)

Unmittelbar nach der Ejakulation kommt es beim Mann zu einer Phase sexueller Reizunempfindlichkeit, (Refraktärphase). Während dieser Phase , die unterschiedlich lange dauern kann und vom Alter abhängig ist, ist keine erneute Erektion und kein Orgasmus möglich. Während bei jungen Männern diese Phase zum Teil nach wenigen Minuten vorbei sein kann, ist diese bei älteren Männern durchaus einige Stunden oder Tage lang.